Menu:

Letztes Update:

31.03.2007

Sprache:

Sprache: Deutsch

Kontakt:

Mag.
David Schmidhofer
david.schmidhofer
@nl-de.com
T: +44 74457578308

Der Übersetzungsmarkt in Österreich


Übersetzungen sind nicht nur in Österreich ein wachsender Markt. Die Globalisierung und ein immer stärkeres innereuropäisches Zusammenwachsen führen zu einem Florieren dieser Branche. Dieser Trend macht aber nicht alle am Übersetzungsmarkt Beteiligten automatisch zu Gewinnern. Denn nicht nur in Österreich ist die Übersetzertätigkeit kein reglementiertes Gewerbe. Und daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Im Folgenden ein Überblick über die Rahmenbedingungen in Österreich.

Wer ist Übersetzer?

Zunächst gibt es zwei verschiedene Auffassungen über die Bedingungen, unter denen ein Übersetzer in Österreich tätig werden darf. Beide werden von einflussreichen Vertretern unterstützt, auf die man sich als Übersetzer im Zweifelsfall berufen kann.

1. Tätigkeit als freier Selbstständiger (neuer Selbständiger, Freiberufler)

Das österreichische Wirtschaftsministerium betrachtet den (freiberuflichen) Übersetzer, der selbst gegen Entgelt Übersetzungen erstellt, traditionell als typischen Fall eines freien Selbstständigen (neben anderen Gruppen wie Autoren, Gutachtern, Vortragenden oder Psychotherapeuten). Die Folgen für den Übersetzer: Er muss seine Tätigkeit lediglich rechtzeitig dem zuständigen Finanzamt anzeigen. Er muss keinerlei Befähigungsnachweise vorlegen, benötigt keinen Gewerbeschein und muss nicht Mitglied der Wirtschaftskammer sein.

2. Tätigkeit mit Gewerbeschein

Der Wortlaut "Übersetzungsbüro einschließlich Dolmetschertätigkeit" findet sich in der Liste der freien Gewerbe wieder. Die Wirtschaftskammer Österreich vertritt die Auffassung, dass Übersetzer deshalb einen Gewerbeschein benötigen, bevor sie ihre Tätigkeit ausüben dürfen. Da es sich aber um ein "freies" Gewerbe handelt, ist auch hier keinerlei Befähigungsnachweis erforderlich. Der Gewerbeschein wird im Prinzip jeder Person, die sich als Übersetzer betätigen will, ausgestellt.

Welche Folgen hat das für den Markt?

Als "Übersetzer" kann sich in Österreich also im Grunde jeder bezeichnen. Übersetzungen darf jede Person anbieten, die (je nach Auffassung) einen praktisch auflagenlosen Gewerbeschein hat und/oder die eine formlose Meldung über ihre Tätigkeit beim Finanzamt gemacht hat. Unmittelbare Folge dessen sind aber dramatische Qualitätsunterschiede bei den angebotenen Dienstleistungen.

Wer profitiert von dieser Regelung?

Im Grunde jeder - zumindest in Teilen. Der Kunde kann sich vom starken Wettbewerb in der Branche günstigere Preise erwarten. Für den Übersetzer entfallen die Zulassungsverfahren. Zweifelsfrei gibt es viele gute Übersetzer, die bei strengeren Zulassungsregeln nicht mehr arbeiten dürften. Und Übersetzungsagenturen, die ihre Umsätze durch die Vermittlung von Übersetzern machen, erfahren bei all der Fülle von Anbietern einen Aufschwung, da sich der Kunde von diesen Vermittlern erwartet, dass sie nur mit professionellen Übersetzern zusammenarbeiten.

Auch die Nachteile davon kriegt aber jeder zu spüren. Unbestreitbar würde sich die durchschnittliche Qualität der Übersetzungen erhöhen, wenn dieser Markt etwas stärker reguliert wäre. Viele unprofessionelle Übersetzer könnten ihre Dienste nicht mehr anbieten, wenn sie zuvor einen entsprechenden Befähigungsnachweis vorweisen müssten. Die Bedeutung der Agenturen würde wohl abnehmen und damit auch ein entscheidender Kostenfaktor.